Shetlands

Juni 2018

Eine Reise auf die Shetlands ist für einen ornithologisch interessierten Naturfreund spannend. Im Herbst besteht die Hoffnung auf Seltenheiten (ähnlich wie auf Helgoland) und im Sommer kann man viele unserer Zugvögel im Prachtkleid und mit Küken beobachten.

Die Highlights der Reise (ich bin mit birdingtours unterwegs) sind, neben vielen anderen, das Fair Isle Bird Observatory, Sumburgh Head (ein Leuchtturm mit Informationszentrum auf einem Brutfelsen), Hermaness und der Besuch bei den Sturmschwalben auf Mousa.

Fair Isle Bird Observatory

Fair Isle ist eine kleine Insel im Süden Shetlands, bei gutem Wetter per Flugzeug oder mit der Fähre zu erreichen. Hier gibt es nicht viel anderes als Natur, die Brutfelsen der Papageitaucher, Eissturmvögel und  Lummen sowie eine Brutkolonie der Küstenseeschwalben liegen in Sichtentfernung ( also, ich meine nicht Sichtentfernung für Spektive) der Vogelwarte "Fair Isle Observatory", die für die Tage unseres Aufenthaltes unser Quartier ist. Der Ranger erklärt uns auf der morgendlichen Fangreusen-Tour, sie startet jeden Morgen um 7:00 Uhr, dass Fair Isle eine ähnliche Lage wie Helgoland hat. Sie liegt auf der Zugroute und wird gern als Rastplatz während des Vogelzuges genutzt, ähnlich wie auf Helgoland gibt es Fanggärten und Reusen und die gefangenen Vögel werden beringt. Zu dieser Zeit des Jahres (es ist Juni und praktisch alle Vögel sollten in ihrem Brutgebiet sein) ist wenig Betrieb, die Reusen (der Name "Heliogoland trap" spricht für sich) werden nur zweimal am Tag geprüft, während der Zugzeit jedoch 6 mal am Tag.

Beringt werden in unserer Anwesenheit eine Amsel, eine Felsentaube (auf Fair Isle gibt es nach Aussage des Rangers noch echte Felsentauben) und einige Stare.

Der Zugang zur Vogelwarte ist nur über den "Boot-Room" erlaubt. Dort bleiben nasse Jacken und schmutzige Stiefel zurück. Auch Toiletten und Duschen zur allgemeinen Benutzung sind dort untergebracht. Der Tagesplan ist zusammen mit den aktuellen Entdeckungen auf der Tafel vermerkt: 7:00Uhr "Trap Round", gemeinsames Frühstück um 8:30 Uhr, dann die Mahlzeiten um 13:00 Uhr und 18:30 Uhr. Eine anderweitige Versorung auf der Insel ist praktisch nicht möglich, aber alle genießen den Austausch mit den anderen Gästen und dem Personal und das gute Essen. Um 21:00 Uhr kommt zum Abschluss des Tages heisser Kakao aus der Küche und gemeinsam geht man die Beobachtungen des Tages durch (9pm Log) und plant darauf basierend den nächsten Tag. Wir würden am nächsten Tag gern die Weißbartgrasmücke entdecken. Das klappt aber leider nicht, dafür können wir den hier seltenen Gastvogel, den Schwarzmilan gleich mehrfach beobachten. Sein Gefieder sieht nicht gut aus und er wird mal von Raubmöwen und mal von Austernfischern attackiert.

Unser bester Beitrag zur Tagesliste ist der Grünfink "Really, are you sure?!" Doch, wir sind sicher, den auf Fair Isle seltenen Vogel sicher bestimmt zu haben. Singvögel sind insgesamt selten, und der Sumpfrohrsänger im Garten vor dem Haus ( es sind zwei) wird entedeckt und aus dem Fenster heraus beobachtet und fotografiert. Überhaupt geht hier kaum jemand ein paar Schritte ohne Fernglas.

Hier der Link zu dieser sehr entlegenen schönen Kombination aus Gästehaus und Forschungs- bzw. Schutzstation:

http://www.fairislebirdobs.co.uk/index.html

 

Die Papageitaucher sehen wir mit Nistmaterial, nicht mit Fisch. Wahrscheinlich brüten sie noch. Ob der Papageitaucher mit seiner Blume gut ankommt?


Sumburgh Head

Das linke Bild zeigt den Blick von unserem Hotel zum Leuchtturm Sumburgh Head. Das rechte Bild zeigt im Vordergrund die Landebahn des Flugplatzes, dann das Hotel und im Hintergrund den Leuchtturm. In der Bucht vor dem Hotel schwimmen zwei Eistaucher (ein Tier im Prachtkleid und eines im Jugendkleid), diese Kombination werden wir auf unserer Reise insgesamt vier mal sehen. Da Eistaucher auf den britischen Inseln nicht brüten, und wir ein Exemplar sehen, das zwar im Prachtkeid ist, aber noch helle Punkte um den Schnabel herum hat, würde ich mal davon ausgehen, dass alle Tiere unter vier Jahren, also noch nicht brütend, sind. Ist natürlich nur eine Vermutung.

Am Leuchtturm finden wir neben den Papageitauchern unter anderem Lummen, Eissturmvögel, Tordalke, Pieper und den Shetland-Zaunkönig.

Die Schneegans ist eine Überraschung, drei Tage später ist sie noch auf der selben Wiese, direkt neben einer großen Küstenseeschwalben-Kolonie. Vielleicht ist sie ein Gefangenschaftsflüchtling?

Die Eissturmvögel haben die Höhle zwischen den Felsen kurzfristig besetzt, kurze Zeit später krabbeln Papageitaucher hinein.

 


Hermaness (UNST)

Die Vogelfelsen an der Nordküste der Insel Unst sind ebenso beeindruckend wie das Moorgebiet, das man auf einem Wanderweg durchquert, hier brütet die Skua, sie heißt hier "Bonxie" und wir entdecken sogar ein Paar mit zwei Küken. Damit hatten wir nicht gerechnet. Da wir natürlich auf dem Weg bleiben, beobachten die "Bonxies" uns ganz gelassen aus wenigen Metern Entfernung. Die Skua ist der wichtigste Brutvogel, aus globaler Perspektive betrachtet, da 40% der Welt-Population in Shetland brüten  (siehe [1]).


Mousa

Sturmschwalben nisten in den Steinen auf der unbewohnten Insel Mousa. Besonders das fast 3000 Jahre alte Broch ist Nistplatz für unzählige von Sturmschwalben. Ein Broch ist ein Turm aus der Eisenzeit, die Mauern sind doppelwandig und zwischen der äusseren und inneren Mauer führt eine Treppe bis hinauf auf den 13 Meter hohen Turm. 80 solcher Türme sind an den Küsten Shetlands zu finden. Derjenige auf der Insel Mousa ist der am besten erhaltene Turm. Die Sturmschwalben kommen aus Furcht vor Fressfeinden ( in erster Linie Skuas) erst nach Einbruch der Dunkelheit zum Brutplatz und lösen den Partner bei der Brut ab. Wie Fledermäuse umkreisen sie den Turm. Das und die surrenden Steine ( man kann sich schwer vorstellen, dass in den Mauern Vögel nisten) begeistern uns sehr.


Pflanzen

An vielen Stellen sehen wir Orchideen. Ich kenne mich mit Pflanzen nicht aus, geniese nur die Schönheit und die Vielfalt.

Auch die Schönheit und Besonderheit der Pflanzen am Keen of Hamar erkenne ich erst bei der Betrachtung der Bilder auf dem Computer - und würde am liebsten gleich noch mal hinfahren.


Noch einige Eindrücke

Wer hat denn schon einmal Brachvogel-Küken gesehen? Oder eine Bekassine ganz nah? Bekassinen waren während der ganzen Zeit an verschiedensten Orten präsent mit ihrem beeindruckenden Balzflug.

Lerwick, der Hauptort der Shetlands, nicht nur im Hafen sind Silbermöwen präsent.

und noch zwei kraftvolle Bilder

 

[1] Discover Shetlands's birds, Paul Harvey, Rebecca Nason