MEllum - Die Verbotene Insel

30. September 2017. Ein nicht alltäglicher Ausflug mit dem Mellumrat zur Vogelinsel Mellum im Jadebusen.

Der Mellumrat schreibt unter www.mellumrat.de folgendes über Mellum: "Mellum zählt zu den letzten Paradiesen in Deutschland. Es ist eine von drei unbewohnten Inseln im Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“. Die Natur ist hier strengstens geschützt. Mellum darf nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Nationalparkverwaltung betreten werden. Nur außerhalb der Brutzeit der Vögel werden einige Exkursionen vom Mellumrat e. V. durchgeführt.
Mellum ist das Musterbeispiel natürlicher Dynamik im Wattenmeer. Von ca. 7 ha im Jahre 1903 ist die Insel auf heute über 450 ha gewachsen. Häufigste Brutvögel sind die Silber und Heringsmöwe (Larus argentatus, L. fuscus) mit über 5.000 Brutpaaren. Weitere Brutvögel sind u.a. Löffler (Platalea leucorodia), Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus) und Wanderfalke (Falco peregrinus).

Die umgebenden Sandplaten und Wattflächen bieten Rast- und Nahrungsraum für Hunderttausende von Wat- und Wasservögeln und ist einer der wichtigsten Seehund-Lebensräume im Nationalpark.

Ständig ändert die Insel ihr Gesicht. Sandbänke entstehen und verschwinden. Dünen werden vom Wind aufgeweht, winterliche Sturmfluten nagen an ihnen und spülen sie davon. An anderer Stelle erhöht herangewehter Sand die Insel. Schlickfelder verlagern sich. Das Grünland mit der Salzwiese wächst und dehnt sich weiter aus. Tiefe Priele durchschneiden diesen Inselbereich. Vom Menschen unbeeinflußt gestalten vor allem die Naturkräfte – Wind und Wasser -, aber gleichfalls Vögel und Pflanzen die Insel. Deshalb hat Mellum für den Nationalpark eine ganz besondere Bedeutung.

Bereits im Jahr 1921 wurde Mellum unter Schutz gestellt und die Insel wird seit 1925 durch den Mellumrat betreut. Heute ist sie zusammen mit dem Hohe-Weg-Watt im Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ als Ruhezone ausgewiesen. Der Verein unterhält auf der Insel ein Stationshaus."

 

Am 30. September 2017 also bin ich, zusammen mit Freunden, dabei. Wir haben eine Fahrkarte für eine der wenigen Fahrten mit der Wega II von Wilhelmshaven aus. Der Plan ist, dass sich das Schiff auf einer flachen Sandbank vor Mellum trocken fallen lässt und wir dann das Schiff über eine Leiter verlassen und über das Watt zur Vogelinsel gehen. Bei aller Vorfreude, die verbotene Insel betreten zu dürfen, bin ich am Morgen skeptisch und möchte die Reise wegen des angesagten Platzregens am liebsten absagen. Aber eine neue Chance wird es erst in ca. einem Jahr wieder geben: Nur ausserhalb der Brutzeit sind Fahrten möglich und dann muss es so sein, dass an einem Wochenende Ebbe und Flut zeitlich so liegen, dass ein Ausflug zu organisieren ist. Und dann ist da eben noch das Wetter. In diesem Jahr haben wir zu viel Feuchtigkeit: Das Niedrigwasser ist mit 75 cm über Normal zu hoch und die Luft zu feucht. Beim Ausflug am Tag zuvor soll es Nebel gegeben haben, und bei und bei uns liegt richtiges Schietwetter in der Luft. Angesagt ist es schon für den Vormittag. Aber als wir mittags vor Mellum ankommen und die Kapitänin das Schiff auf der Sandbank festsetzt ist noch alles ok. Wir sollen mit dem Schlauchboot fahren. Am Ende ist das Wasser aber bis auf ca. 70 cm gefallen und wir trauen uns direkt vom Schiff ins Wasser, krempeln die Hosen hoch oder ziehen die Jeans einfach aus und los geht's.

 

Das Wasser ist still und auch überraschend warm. Die Luft ist warm und es ist noch sonnig. Wir sind ca. 30 Personen, die in zwei Gruppen über das Watt und durch einen kleinen Priel an den Strand von Mellum waten.

Nachdem wir nach einer knappen Stunde beim Stationshaus angekommen sind, gibt es gegen eine kleine Spende leckeren Apfelkuchen mit Kaffee und Tee, von den Vogelwarten zubereitet. Und wir können uns etwas umsehen. Allerdings: 20 Minuten! Dann geht es schon wieder zurück. Die Witterung lässt einfach keinen längeren Aufenthalt zu. Ich bin sehr sehr froh, dass es überhaupt geklappt hat und versuche einige der Vögel zu fotografieren. Das schlechte Wetter schickt allerdings seine Vorboten und es ist grau. Dennoch sehen wir auf die Schnelle einen Löffler, Wintergoldhähnchen, Ringeltaube, Hausrotschwanz, Wiesenpieper, einen Turmfalken und Mönchsgrasmücken, hören Erlenzeisige und eine Wasserralle und ich fotografiere einige Laubsänger, die ich allerdings nicht bestimmen kann. Schade, für einige Stunden wäre ich gern geblieben. Der Mindestaufenthalt allerdings beträgt 14 Tage, denn nur alle 14 Tage kommt ein Versorgungsschiff für die Vogelwarte.

Die Rastvögel haben wir vom Schiff aus gesehen. Das Watt ist bevölkert. Überall kleine Punkte, es sind tausende, hauptsächlich sehe ich Austernfischer und Brachvögel, zwischendurch einige Kormorane, Lach - und Silbermöwen, und ein paar Enten und Ringelgänse.

Kaum sind wir auf dem Schiff, beginnt es zu regnen. Dicke kalte Tropfen sind es, und keiner möchte noch
im Watt sein, sondern wir genießen die Erbsensuppe und sortieren schon mal die Erinnerungen.

Vom Schiff aus beobachten wir die Wetterfront, die sich langsam auf Mellum zu bewegt.